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Das Rätsel namens Belgien

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Gepostet von Markus SCHÖNHOFF am 20. Dezember 2017 auf KOZOOM

Das Rätsel namens Belgien

kozoom

Kolumne von Bert van Manen

Übersetzt von Andreas Volbracht 

Einmal angenommen, du wärest ein Dreibandfan aus Katar, aus Usbekistan, Neuseeland oder aus Ghana. Du schaust dir den WeltCup in El Gouna auf Kozoom an. Natürlich bist du beeindruckt von der  erstaunlichen Qualität der Spieler aus Belgien. Nicht allein, dass dieses Land den Turniersieger stellt (Merckx), auch der zweite, Forthomme, und die amtierende Nummer Eins der Weltrangliste und gleichzeitig Weltmeister, Caudron, kommen aus Belgien.

Du denkst weiter und überlegst, ob du in deinem Land nicht auch einen eigenen nationalen Billardverband gründen solltest, dich um die Mitgliedschaft in der UMB bewerben willst, wie du den Sport populär machen und junge Spieler gewinnen kannst. Deine Strategie ist klar: du musst das belgische Modell kopieren. Die müssen irgendwas richtig machen, sonst hätten sie nicht diese ganze Horde von Weltklassespielern.

In dir regt sich nicht der geringste Zweifel daran, dass Belgien eine lebendige, wachsende, wohl organisierte Billardgemeinschaft hat, die von einem professionell geführten, transparent strukturierten Verband organisiert wird. Brüssel und Antwerpen müssen Dutzende von Billardsalons haben und können insofern locker mit Seoul konkurrieren. Hunderte von Talenten aus Gent, Luik, Leuven und Charleroi müssen doch davon träumen, der nächste Dielis, Ceulemans oder Leppens zu werden.

Niemand kann dir solche Gedanken verübeln; aber mit der Wirklichkeit haben deine Vorstellungen kaum etwas gemein: Billard in Belgien befindet sich im Niedergang, es ist in ernsten Schwierigkeiten.

Anzahl der aktiven Spieler? Geht ständig nach unten. Durchschnittsalter? Geht ständig nach oben (kaum besser als im Nachbarland Holland).

Spielstätten? Nirgends eine, wo´s brummt. Manche schaffen es, offen zu bleiben, einige machen dicht, keine Neueröffnungen.

Nachwuchstalente? Ein halbes Dutzend vielleicht, keiner von denen wird es in absehbarer Zeit in einem WeltCup bis ins Hauptturnier schaffen.

Ein effektiver, durchschaubarer Verband? Ach, du Schande: Nein! Der KBBB Vorstand ist seit vielen Jahren eine Schlangengrube, wo man sich gegenseitig niedermacht, in den Rücken fällt, in dem persönliche Fehden Vorrang vor den Belangen des Sports haben. Fähige Leute sind rausgekickt worden. Im letzten Jahr geriet eine Vorstandswahl so total aus den Fugen, dass davon geredet wurde, ob nicht der ganze Verband aufgelöst werden sollte. Was die Transparenz betrifft: Gibt´s nicht. Hinterzimmer-deals entscheiden über alles. Stimmabgaben sind vorprogrammiert. Am Ende scheint es wie ein Wunder, dass und wie die Freiwilligen vor Ort (die in Wirklichkeit die ganze Arbeit machen) es geschafft haben, das brüchige KBBB Schiff überhaupt über Wasser zu halten.

Ist tatsächlich ALLES schlecht? Absolut nicht! Billard spielen in Belgien kann eine wahre Freude sein. Die Zuschauer sind fast immer fair und verstehen etwas vom Spiel; die Atmosphäre ist entspannt, gespielt wird auf hohem Niveau. Das sollte kaum erstaunen, wenn man sich überlegt, welchen Platz das Land in der Geschichte des Billards einnimmt. Vingerhoedt, Ceulemans, Wafflard, Schrauwen, Dielis - besser geht´s kaum, diese Leute haben über Jahrzehnte ihren großen Erfahrungsschatz im Land verbreitet.

Und Belgien hat keineswegs nur diese glorreichen Vier (Caudron, Merckx, Forthomme, Leppens). Es gibt eine gute zweite Riege mit Spielern wie Peter Ceulemans, Jef Philipoom, Peter de Backer, Davy van Havere, Steven van Acker, Wesley de Jaeger und andere mehr. Das war nur Dreiband. Dazu gibt es jede Menge hochklassige Spieler in den klassischen Disziplinen mit Patrick Niessen als Bannerträger – der Cadre-Perfektionist schlechthin. 

Nicht jeder in Belgien sieht die Dinge pessimistisch. Nehmen wir Kurt Ceulemans als Beispiel (Peters Onkel, Raymonds Sohn). Der hat einen Lauf als Unternehmer, eine „ich-kann-das“ Mentalität, und er hat beides eingesetzt, um 2018 einen WeltCup in der Küstenstadt Blankenberge zu organisieren. Ich liege kaum schief mit der Erwartung, dass das ein tolles Ereignis wird, auf das Belgien stolz sein kann.

Da haben wir es also: Belgien ist ein Rätsel, ein Mysterium. Es ist ein Dr. Jekyll and Mr. Hyde Land, wenn es uns Billard geht. Beeindruckende Vergangenheit - unsichere Zukunft. Fantastische Spieler - lausige Organisation, ein Gemisch aus Professionalismus und amateurhaftem Gebastel, verrückte Beschränkungen, Regeln, die  jeder Logik widersprechen - zum Machen und zum kaputt-Machen, eine völlig überholte Website und einige der besten Tischhersteller, die es gibt (Gabriels, Verhoeven).

Ob du es glaubst oder nicht: 2010 und 2011 hatten die Belgier 541 Tage lang keine Regierung. Die  Parteien waren unfähig, eine Koalition zu bilden. So befand sich das Land im politischen Koma, praktisch nur von Verwaltungsbeamten gemanagt. Dennoch: Züge fuhren, Müll wurde entsorgt, das Telefon funktionierte. Die Belgier haben offensichtlich die Fähigkeit, sich nicht über Sachen aufzuregen, die sie nicht ändern können. Sie reagieren nicht panisch, gehen in aller Ruhe ihren Geschäften nach, aber wenn sie etwas wirklich wollen, dann verbeißen sie sich in die Sache wie ein Pitbull ... genau wie ihre Billardspieler es tun.

 

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