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Helmut Biermann - neuer Präsident! Neue DBU? - Das Interview

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Gepostet von Markus SCHÖNHOFF am 28. Oktober 2017 auf Kozoom

Hemut Biermann - neuer Präsident! Neue DBU? - Das Interview

© Touch Billardmagazin
Das Interview mit DBU-Präsident Helmut Biermann wurde in der neuesten Ausgabe veröffentlicht

Am 15.07.2017 wurde Helmut Biermann zum neuen Präsidenten der Deutschen Billard Union gewählt. Biermann tritt damit die Nachfolge von Michael John an, der auf einer außerordentlichen Versammlung schon im Mai abgewählt wurde. Wenige Wochen nach seiner Wahl führte das Billardmagazin Touch ein Interview mit dem neuen Präsidenten, das wir hier in voller Länge abdrucken.

Helmut Biermann ist der neue Hoffnungsträger im deutschen Billard. Der 62-jährige aus Herne wurde jüngst an die Spitze der Deutschen Billard-Union gewählt, nachdem man seinen Vorgänger Michael John wenige Wochen zuvor seines Amtes enthoben hat. Mit Biermann erhofft man sich eine verbesserte Kommunikation innerhalb des Präsidiums und natürlich auch nach außen zu den Verbänden, denVereinen und Spielern.  Aber das ist beileibe natürlich noch nicht alles, was an großen Aufgaben in den kommenden Wochen, Monaten und vielleicht sogar Jahren ansteht. Wir interviewten Helmut Biermann und befragten ihn ausführlich zu den brennendsten Themen.

Herr Biermann, herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Präsident der Deutschen Billard-Union. Was fühlten Sie nach der Bekanntgabe des Ergebnisses?

Erleichterung, dass die Zeit des Wartens auf eine Entscheidung nun endlich vorbei ist, gepaart mit der Sorge, ob ich denn nun auch das von mir gewünschte Team komplett würde durchbringen können.

Ihre Wahl war mit knapp 60 Prozent der Stimmen knapper als die vor einigen Jahren als Sie die Wahl mit einer 75%igen Mehrheit zwar gewonnen, aber nicht angenommen haben. Worin liegt der Unterschied zwischen damals und heute?

Bei der diesjährigen Wahl bin ich in dem Bewusstsein angetreten, dass ich sie unter Umständen auch verlieren könnte. Wie ich schon im Rahmen meiner Bewerbung erklärt hatte, hätte ich diesmal auch eine Wahl mit nur einer Stimme Mehrheit angenommen. Für mich war schon im Vorfeld klar, dass eine eventuelle Niederlage zwar schmerzlich sein würde, ich aber trotzdem erhobenen Hauptes aus dem Wettstreit um das Präsidentenamt scheiden könnte, da ich ja – im Gegensatz zu vielen anderen Kritikern meines Amtsvorgängers – mit meiner Kandidatur zumindest versucht hatte, dem Handeln meines Amtsvorgängers Grenzen zu setzen. 

Wo ist der Unterschied zu damals?

Anders verhielt es sich bei der Wahl im Jahr 2007, als mit dem plötzlichen Tod von Uwe Schwab das Amt des DBU-Präsidenten vakant wurde. Ich war zu diesem Zeitpunkt Vizepräsident Sport und meinte – frei nach Franz Müntefering „Das schönste Amt, neben dem des Papstes“ inne zu haben. Ich liebte den Umgang mit den Sportlern, die gerade zum zweiten Mal ausgetragene zentrale Deutsche Meisterschaft in Bad Wildungen war mein Kind und ich war mit enorm viel Herzblut dabei, langgehegte Visionen für den Billardsport Realität werden zu lassen. Als ich dann trotzdem dem Drängen vieler Kollegen nachgab und als DBU-Präsident mit einem Team kandidierte, erhielt ich als einziger Kandidat völlig überraschend über ein Viertel Nein-Stimmen. Es gehört in den Bereich der Legendenbildung, dass ich die Wahl nicht angenommen habe, weil ich keine 100%-ige Zustimmung erhalten hätte. Vielmehr war die höchst emotionale Ablehnung Ausdruck der maßlosen Enttäuschung darüber, dass die Einsicht in die notwendige Geschlossenheit für die dringend erforderlichen Umbauten nicht zu erreichen war. Enthaltungen wären akzeptabel gewesen, Nein-Stimmen nicht, da keine Alternativen zur Lösung der bestehenden Situation zur Verfügung standen. Insoweit stellte sich in 2007 eine vollkommen andere Situation als in 2017 dar.

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Das neue DBU-Präsidium

Inwieweit hatte Ihre Kandidatur zum DBU-Präsidenten mit Ihrer Niederlage bei der Wahl zum CEB-Generalsekretär zu tun?

Antwort: Schon bei den Vorbereitungen zur außerordentlichen DBU-Mitgliederversammlung am 13.05.2017 war den Beteiligten klar, dass ich mich zukünftig in die Arbeit eines neuen DBU-Präsidiums einbringen würde. Das Präsidentenamt war zu diesem Zeitpunkt nicht angedacht, da dies in Kombination mit dem Amt des CEB-Generalsekretärs zeitlich kaum zu bewältigen gewesen wäre. Nachdem ich aus rein politischen Gründen bei der Wahl zum CEB-Generalsekretär unterlag, wurde ein nicht unerhebliches Zeitkontingent frei, welches mich in die Lage versetzte, mir Gedanken über eine eventuelle Kandidatur für das Amt des DBU-Präsidenten zu machen. Nach meiner Rückkehr aus Italien Anfang Juni fiel dann in enger Absprache mit Vertrauten die Entscheidung, zu kandidieren. 

Werden Sie die SMV (Vermarktungsgesellschaft der DBU, die Red.) wieder reaktivieren? Wenn ja, warum und wie?

Reaktivieren ist in diesem Zusammenhang erst einmal der falsche Begriff, da es zunächst einmal darum gehen soll, die SMV GmbH dazu zu benutzen, die steuerlichen Belastungen der DBU zu verringern. Jede deutsche Sportorganisation bedient sich sogenannter Vorschaltgesellschaften zur Auslagerung ihrer wirtschaftlichen Betätigung. Dies geschieht aus steuerlichen wie auch aus haftungsrechtlichen Erwägungen heraus. Aus den früheren Aktivitäten der SMV GmbH bestehen beträchtliche Verlustvorträge, die bei Übertragung der wirtschaftlichen Aktivitäten der DBU genutzt werden können, um die derzeit beträchtliche Steuerlast der DBU erheblich zu reduzieren. Die dann zur Verfügung stehenden zusätzlichen Mittel stünden für weitere Investitionen in den Sport zur Verfügung.

Wer sollen die Teilhaber sein? Mit welchen Beteiligungen?

Derzeit sind die Landesverbände Baden-Württemberg (1/6), Niederrhein (1/6), Westfalen (2/6) und die DBU (2/6) an der SMV GmbH beteiligt. Um den größtmöglichen steuerlichen Nutzen für die DBU zu erzielen, ist es erforderlich, dass die DBU Eigentümer von weiteren Anteilen (3/6) an der SMV GmbH wird. Gegen die Ablösung noch bestehender geringfügiger Darlehensverpflichtungen der SMV GmbH gegenüber den beteiligten Landesverbänden sind diese bereit, jeweils 1/6-Anteile an die DBU zu veräußern. Aus rein steuerlichen Gründen darf für die nächsten fünf Jahre der noch verbleibende 1/6-Anteil nicht veräußert werden. Nach Ablauf dieses Zeitraumes soll dieser Anteil zu gleichen Teilen an die 15 DBU-Landesverbände 

veräußert werden. Bis dahin wird der Landesverband Westfalen sein aus dem verbleibenden 1/6-Anteil resultierendes Stimmrecht rechtswirksam durch Vertrag zu gleichen Teilen auf alle DBU-Landesverbände übertragen und da-mit die Möglichkeit schaffen, dass die Landesverbände an den Gesellschafterversammlungen der SMV GmbH teilnehmen können. Somit wird Transparenz über die Handlungen der SMV GmbH für alle Beteiligten hergestellt und die endlosen Diskussionen über das vermutete Geschäftsgebaren gehören hoffentlich endgültig der Vergangenheit an.

Wird es wieder einen hauptamtlichen Geschäftsführer mit Gehalt geben?

Derzeit wird die SMV GmbH vom DBU-Vizepräsidenten Finanzen als ehrenamtlich tätigem Geschäftsführer – bei Übernahme des vollen Haftungsrisikos – unentgeltlich geführt. Die durch die Rückübertragung der wirtschaftlichen Betätigung der DBU auf die SMV GmbH zu generierenden zusätzlichen finanziellen Mittel werden in den Sport reinvestiert und nicht zur Finanzierung eines hauptamtlichen Geschäftsführers verwendet. Wenn zukünftige Aktivitäten der SMV GmbH es erforderlich machen sollten/könnten, einen hauptamtlichen Geschäftsführer zu beschäftigen, so muss dessen Vergütung durch die eigene wirtschaftliche Betätigung der SMV GmbH und nicht durch Mittel der DBU generiert werden.  

Durch Ihren Amtsvorgänger Michael John wurden viele Neuerungen im Billardsport umgesetzt. Werden Sie diverses rückgängig machen oder verändern wollen? Wenn ja, was?

In den vergangenen Jahren ist es mir zusammen mit vielen anderen Mitstreitern in den Landesverbänden immer wieder gelungen, von meinem Amtsvorgänger angestrebte gravierende Änderungen von Satzung und Ordnungen zu verhindern. Letztes Highlight in diesem Zusammenhang war die Verhinderung der Einführung einer neuen Sport- und Turnierordnung ohne jegliche Legitimation durch die Satzung. Es wird nun Aufgabe des neuen Präsidiums, in Verbindung mit der eingesetzten Kommission und den Sportfachleuten, sein, ein konsensfähiges neues grundsätzliches allgemeines Regelwerk für unseren Sport zu entwickeln. Dies wird nicht ganz ohne Schmerzen in dem einen oder anderen Bereich gehen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir mit der notwendigen Einsicht bei allen Beteiligten zu vernünftigen Lösungen kommen werden. Im Rahmen der Bewältigung der finanziellen Schieflage der DBU haben viele Entscheidungsträger in den Landesverbänden allzu leicht übereilten Satzungsänderungen zugestimmt, deren Tragweite sich gerade erst in den Turbulenzen der letzten Monate bemerkbar gemacht haben. Hier gilt es nun intensiv zu prüfen und erforderlichenfalls Justierungen vorzunehmen.

Und sportlich?

Ein besonderes Anliegen ist mir, dass unsere Sportler und Sportlerinnen generell wieder die Wertschätzung erhalten, die ihnen ob ihrer Leistung – gleich in welcher Spielart, Disziplin, Altersklasse oder Geschlechts – gebührt. Hier können nicht nur noch die Zielwettkämpfe der World Games Maßstab sein, sondern es muss sich auch auf die Wurzeln unseres Sportes rückbesinnt werden. Dies ist auch kein Rückschritt in der Sportentwicklung sondern eine Maßnahme, die der Tatsache Rechnung trägt, dass die breite Masse unserer Sportler u.a. mit ihren Beiträgen schließlich erst die Leistungen in der Spitze ermöglicht. Nur so wird es auch möglich sein, unsere Sportler dazu zu bewegen, sich wieder mit ihrem Dachverband zu identifizieren, statt ihn zu verteufeln, weil sie sich im Stich gelassen fühlen. Neben der sicherlich notwendigen intensiven Förderung der Sportler in der Spitze muss es auch möglich sein, eine ausgewogenere Förderung in der Breite hinzubekommen.

Ein Beispiel?

Die augenfälligste Änderung wird zunächst aber sicherlich die Rückkehr zu würdigen Siegerehrungen bei Deutschen Meisterschaften sein, die eine tatsächliche Anerkennung der Leistung der Sportler darstellen und sich nicht mehr als irgendein Randgeschehen abseits jeglicher Öffentlichkeit präsentieren.  

Was werden Sie anders als ihr Vorgänger machen?

Wie ich schon in meiner Bewerbungsrede vor der Mitgliederversammlung ausgeführt habe, möchte ich dem Präsidentenamt wieder ein aufgeschlossenes den Sportlern und ihren Sorgen und Nöten zugewandtes Gesicht geben. Die Verbesserung der Kommunikation auf allen Ebenen ist mir ein besonderes Anliegen und ich möchte, dass sich niemand scheut Fragen zu stellen und dann aber auch zeitnah Antworten bekommt.   

Wie sehen Sie den Kegelspielbetrieb in Brandenburg und Sachsen, in dem sich ein Spielbetrieb abseits der DBU entwickelt hat?

Schon auf der Mitgliederversammlung wurde auf meine Initiative hin abgesprochen, dass meine erste Reise am 28.07. nach Dresden führen wird, um mit Vertretern des BKV, Sachsens und Brandenburgs die Situation zu erörtern. Viel zu lange wurde dieses Thema in der DBU vor sich her geschoben und es ist höchste Zeit, dass nun Bewegung in die Sache kommt. Ich werde vollkommen unvoreingenommen in die Gespräche gehen und hoffe, dass wir zum Wohle des Billardsportes Fortschritte erzielen können. Ich halte es für einen nicht hinnehmbaren Zustand, dass ein Großteil von Billardsportlern in Brandenburg und Sachsen ihren Sport abseits der DBU betreiben. Es muss unser Auftrag sein zu versuchen, diese – aus welchen Gründen auch immer – abhanden gekommenen Glieder der deutschen Billardfamilie wieder in die DBU zu integrieren. Wie das erreicht werden kann, werde ich in ergebnisoffenen Gesprächen in der nächsten Zeit versuchen mit den Betroffenen zu klären.

Wird es wieder Deutsche Meisterschaften mit den beliebten Team-Wettbewerben geben?

Mir ist durchaus bewusst, dass das Herz vieler Sportler an der Austragung von Teamwett-bewerben im Rahmen der Deutschen Meisterschaften in Bad Wildungen hängt. Auch wenn der leistungssportliche Gedanke hier vielleicht nicht so im Vordergrund steht, so ginge mit einer solchen Ausrichtung sicherlich ein enormer Popularitätsgewinn für die DM einher, da hier unserer Basis eine Plattform zur Präsentation geboten wird. Leider bietet die Raum- und Zeitplansituation bei einer Ausrichtung in der Wandelhalle derzeit nahezu keine Möglichkeit der Realisierung. Wir werden das Thema aber nicht aus dem Auge verlieren und Möglichkeiten der Umsetzung diskutieren.

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Wird wieder ein Livestream angeboten?

Eine Deutsche Meisterschaft ohne Livestream ist eigentlich kaum noch vorstellbar. Die technischen Gegebenheiten in der Wandelhalle bezüglich der zur Verfügung stehenden Bandbreite der Internetverbindung stellt eine Hürde dar, die nur mit jeweils nicht unerheblichem finanziellem Aufwand überwunden werden kann. Hier muss versucht werden, dauerhaft eine kostengünstigere Lösung zu schaffen. 

Eine weitere Hürde stellte der von meinem Amtsvorgänger bereits im Dezember 2016 abgeschlossene Vertrag über die Verwertung der Übertragungsrechte dar, dessen Inhalt uns bis Ende August 2017 vorenthalten wurde. Nun wissen wir, dass die DBU seit Anfang des Jahres wieder Nutznießer eines Vertrages der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten mit 32 olympischen und nicht-olympischen Spitzenverbänden ist und seitdem dessen Restriktionen  unterliegt. Die Bundesliga-Vereine und potentiellen Ausrichter von DBU-Veranstaltungen wurden umgehend über die Rahmenbedingungen für die Ausstrahlung von Livestreams unterrichtet und wir sind gerade dabei, die letzten Hürden für eine Realisierung während der Deutschen Meisterschaften zu überwinden.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit der Touch-German-Tour und dem German Pool Masters?

Ich habe seit vielen Jahren auf unterschiedlichsten Ebenen intensiv und erfolgreich mit dem Team der TOUCH kooperiert. Die Ansätze der Touch-German-Tour und des German Pool Masters halte ich für beachtenswert, da es einer doch sehr heterogenen Turnierlandschaft in Deutschland ermöglicht wird, sich vereinheitlicht darzustellen. Inwieweit sich teils doch unterschiedlichen Zielrichtungen von DBU und TOUCH auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen, werden die in der nächsten Zeit zu führenden Gespräche zeigen. In den letzten Wochen sind seitens des DBU-Präsidiums und der TOUCH konstruktive Gespräche geführt worden. Es zeichnet sich ab, dass es z.B. durch die gegenseitige Gewährung von Startplätzen in Veranstaltungen und weitere gemeinsame Aktivitäten zu einer intensiveren Zusammenarbeit kommen wird.

Was werden Sie in den ersten 100 Tagen Ihrer Amtsperiode als erstes angehen?

Zunächst gilt es für das neu gewählte Präsidium, die Arbeitsfelder der einzelnen Ressortinhaber näher zu umreißen und Zuständigkeiten für bestimmte Themenbereiche abzugrenzen. Hier bin ich zuversichtlich, dass uns dies relativ zügig gelingt, da bei den handelnden Personen eine gute Mischung aus Erfahrung und Neugier, gepaart mit einem hohen Grad an Motivation, zur Verfügung steht. Gleichzeitig steht als große Aufgabe des Präsidiums zunächst die Organisation der kommenden Deutschen Meisterschaft in Bad Wildungen an. Hier kann zwar auf bewährte Kräfte zurückgegriffen werden, aber trotzdem soll es schon sichtbare Veränderungen geben. Ausschreibung, Akkreditie-rung, Siegerehrungen etc. sind Themen, die momentan auf dem Prüfstand stehen. Ein weiteres drängendes Problem ist die in die Jahre gekommene BillardArea. Hier hat es in den letzten Jahren keinerlei Innovation – weder seitens der DBU noch des Betreibers – mehr gegeben. Es wird erforderlich sein, ein zunächst stabileres Verhalten des Systems sicherzustellen, um den Betrieb zu gewährleisten. Schon nach der außerordentlichen DBU-MV habe ich auf Wunsch des alten Präsidiums, den immer noch bestehenden Kontakt zum Geschäftsführer der Fa. Exutec wieder aufleben lassen und um ein persön-liches Gespräch nachgesucht. Dies hat dann Anfang Juni in München stattgefunden und als erstes Ergebnis wurde eine Laufzeitgarantie für die Billard-Area bis zum Ende der Saison 2018/19 bei gleich bleibenden Bedingungen erzielt. Die nun zur Verfügung stehende Zeit muss dazu genutzt werden, ein Lastenheft für die Programmierung einer neuen Plattform zu erstellen und in ein Ausschreibungsverfahren einzusteigen.

Wo legen Sie die Schwerpunkte für die nächsten knapp 16 Monate bis zur turnusmäßigen Wahl?

Der DBU muss es während dieser Zeit gelingen, verloren gegangenes Vertrauen in das eigene Handeln bei den Landesverbänden und Einzelmitgliedern zurück zu gewinnen. Dies soll durch größere Transparenz bei den Entscheidungsprozessen erreicht werden. Nur wenn Entscheidungen für die Mitglieder nachvollziehbar werden, kann man hoffen, auf mehr Verständnis und Unterstützung zu treffen. Ziel muss sein, die Identifikation unserer Mitglieder mit der Dachorganisation zu stärken, vorhandene Kräfte zu bündeln und gemeinsame Ziele zu definieren und deren Umsetzung anzugehen.

Hier ist insbesondere die längst überfällige Überarbeitung des allgemeinen Teils unserer Sport- und Turnierordnung erforderlich. Ich hoffe, dass die eingesetzte Kommission den Mut aufbringt, richtungsweisende Empfehlungen auszuarbeiten, die zu einer Modernisierung und Vereinheitlichung des Regelwerkes führen. Ich rede hier nicht einer grundsätzlichen Gleichmacherei das Wort. Sicherlich hat jede Spielart wesentliche Elemente, die auch erkennbar bleiben sollen. Wichtig aber ist, dass der Wille dazu besteht, aufeinander zuzugehen. Nur wenn es uns gelingt, den landesweiten Variantenreichtum unseres Regelwerkes auf Bundes-, Landes-, Bezirks- und Kreisebene in allen Spielarten einzudämmen haben wir überhaupt eine Chance, eine größere Akzeptanz beim billardfernen Publikum und eventuell auch eine größere Medienpräsenz zu erreichen.

Was möchten Sie bis dahin erreicht haben…

… im Leistungssport?

Die Förderung des Leistungssports steht in Deutschland derzeit auf dem Prüfstand. Hohen Erwartungen der Politik an eine höhere Medaillenausbeute im Gegenzug für die von der 

öffentlichen Hand erhaltenen Fördergelder stehen die Forderungen der nationalen Spitzenverbände nach angemessenerer finanzieller Förderung zum Erreichen dieser Vorgaben entgegen. Die Umsetzung des neuen Förderungskonzeptes wird bis zu seiner tatsächlichen Realisierung noch eine Weile brauchen und die nichtolympischen Verbände kommen darin so gut wie nicht vor. Wir werden aufmerksam beobachten müssen, wohin die Reise für uns geht.

Stichwort World Games…

Inwieweit das bedauerliche frühe Ausscheiden von Ina Kaplan und Joshua Filler bei den World Games 2017 in Wroclaw einen Einfluss auf die zukünftige Förderung des Billardsportes seitens des BMI (Bundesministerium des Inneren, die Red.) haben wird, lässt sich derzeit noch nicht absehen. In den letzten Jahren sind erhebliche Anstrengungen zur Förderung des Leistungssportes gemacht worden. Die regelmäßigen Entsendungen unserer Sportler zu internationalen Veranstaltungen wie Eurotour, Weltcups etc. und das umfangreiche Lehrgangsangebot für unsere Leistungsträger oder die, die es zukünftig werden sollen, dokumentieren dies. Diese Anstrengungen müssen gehalten – wenn nicht sogar noch ausgebaut werden –, wobei besonderes Augenmerk auf die Förderung des Nachwuchses zu legen ist, da wir ansonsten unsere Zukunft schon hinter uns haben.

… im Breitensport?

Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass über 90 % unserer Mitglieder ihr Billardspiel mehr mit der Orientierung auf den Breitensport denn auf den Leistungssport betreiben. Hier wird die Masse der Ein-nahmen aus den Mitgliedsbeiträgen generiert und wir sind es diesen Mitgliedern schuldig, ihnen durch unsere Wertschätzung das Gefühl zu vermitteln, dass sie mit ihrer finanziellen und ideellen Unterstützung zum Gelingen der Weiterentwicklung des Billardsportes in Deutschland beitragen. 

… in der Öffentlichkeitsarbeit?

Hier gilt der Grundsatz „Tue Gutes und rede darüber!“. Die DBU muss zukünftig Informationen über ihr Handeln viel offensiver verbreiten. Verstärktes Engagement unter anderem in den sozialen Medien soll zu einer größeren Präsenz und Mitgliederbindung führen und die Kommunikation auf allen Ebenen verbessern helfen.

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… bei der Vermarktung?

Die Vermarktung von sogenannten Randsportarten ist bekanntermaßen ein schwieriges Feld. Oftmals hat das Engagement mehr mit Mäzenatentum aufgrund von persönlichen Interessenlagen als mit wirtschaftlichen Überlegungen zu tun. Um aus dieser Situation eines Empfängers von mehr oder weniger großen Almosen heraus zu kommen, ist der Sport gefordert, Produkte anzubieten, die auch vermarktet werden können. Ob das dem Billardsport z.B. mit seiner derzeitigen Vielzahl an unterschiedlichen Bundesligen gelingen kann, darf mit Recht bezweifelt werden. Sollen hier Änderungen herbeigeführt werden, sind enorme Anstrengungen vonnöten, die es unter Umständen auch erfordern, sich in der Spitze von viel Ballast zu befreien. Ist dies nicht durch-setzbar, dürften jegliche Ansätze zu einer Verbesserung der Vermarktungssituation zu kommen, zum Scheitern verurteilt sein.

… bei der Mitgliederneugewinnung?

Wenn man Untersuchungen bzw. eigenen Eindrücken Glauben schenken darf, spielen täglich Hundertausende Menschen Billard. Es gilt zu versuchen, dieses Potential in Mitgliederzahlen umzumünzen. Dazu wird es unter Umständen erforderlich sein, unkonventionelle Wege zu gehen und Neuland zu beschreiten. Wenn wir aber nicht zumindest versuchen, diese Klientel in irgendeiner Weise an uns zu binden, haben wir unseren Auftrag falsch verstanden.

Was ist Ihnen persönlich wichtig?

Der Billardsport auf unterschiedlichsten Ebenen bestimmt seit mittlerweile über vier Jahrzehnten mein Leben in wesentlichen Teilen. Ich habe viel gegeben und noch mehr zurückbekom-men und möchte deshalb einfach nur meinen Beitrag dazu leisten, den Billardsport in Deutschland weiterzuentwickeln. Dies kann ich nicht alleine tun, sondern bin auf die Hilfe vieler Mitstreiter angewiesen. Hinsichtlich des nun zur Verfügung stehenden Teams innerhalb des Präsidiums sind wird so gut aufgestellt wie seit Jahren nicht mehr und ich habe die Hoffnung – nein ich bin davon überzeugt, dass wir einiges bewegen können. Dies alles wird nicht ohne lebhafte Diskussionen vielleicht auch Konfrontationen um der Sache willen möglich sein. Wenn dies mit dem gebotenen Respekt vor der Meinung des jeweils anderen und fair abläuft, ist schon viel gewonnen.

 

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